wissen, was bewegt
Gabriele Walch
16. Januar 2018

Freiheit und Verantwortung

Das Fachmagazin „changement!“ wurde 2016 wurde das Fachmagazin aus dem Handelsblatt-Verlag gelauncht. Themenfokus ist Change Management, also die Gestaltung von Veränderungsprozessen in Unternehmen. Zielgruppe des Magazins sind vor allem Führungskräfte, die neben der eigentlichen Führungsarbeit auch Change Projekte leiten und steuern.

„Kontraste“ greift kontroverse Debatten auf und stellt zwei gegensätzliche Meinungen von Experten rund um das Thema des Change Management gegenüber.

In der Ausgabe 6/2017 wurden Gabriele Walch und Prof. Arist von Schlippe angefragt. Die beiden Autoren schreiben zu „Rivalität erzeugt Veränderungsenergie“ aus zwei unterschiedlichen Perspektiven.

Den Artikel von Prof. Arist von Schlippe erhalten Sie direkt beim Verlag.

Freiheit und Verantwortung
Ist Rivalität nützlicher für eine Transformation als Kooperation? Braucht die Veränderung das Kämpfen gegen etwas? Ich meine nicht – und bin damit selbst schon mitten im Thema: Ich sollte eine kontroverse Meinung vertreten, die sich „gegen“ die andere Meinung ausspricht. Ein Dilemma für mich, denn ich bin auf Begegnung und Dialog mit meinem „Gegenüber“ ausgerichtet. Dort entwickelt sich nämlich meiner Erfahrung nach immer die bessere Lösung, die tiefere Erkenntnis oder verblüffend Neues.
Protagonisten anstelle von Antagonisten
Diese Überzeugung ist die Basis, auf der ich Veränderungen in Organisationen plane und begleite. Nicht Antagonisten, sondern Protagonisten sollen den Wandel gestalten. Menschen, die persönlich von den Veränderungen betroffen sind, sollen aktiv daran mitwirken können. Selbstverantwortlich und im Wissen um die Zusammenhänge in ihrer Organisation. Denn sie spielen eine wesentliche Rolle, dass Veränderung, Wandel, Change oder Transformation überhaupt gelingen kann. Mit guten Rahmenbedingungen werden sie sich aus freien Stücken mit den Veränderungen auseinandersetzen und sich darin entwickeln.

Dieser Ansatz baut auf ein Menschenbild, das von der grundsätzlichen Freiheit und dem Willen des Menschen ausgeht, Verantwortung zu übernehmen. Dieses Menschenbild, das im Kern ein existentielles ist, zeigt den Menschen als Wesen, das für – und nicht gegen – das Wertvolle, Lebendige, Sinnvolle, Lustvolle, Freudvolle, Nachhaltige tätig sein will.

In der Begegnung entsteht das Neue
In Veränderungsprozessen schaffe ich als Beraterin deshalb Räume, in denen respektvolles und wertschätzendes Arbeiten mit dem Gegenüber – nicht mit dem Gegner – stattfinden kann. Im Austausch findet die konstruktive Auseinandersetzung statt. Auf diese Weise wird der Kontext, in der eine Veränderung stattfindet, begreifbar und damit gestaltbar. Ziele werden zur gemeinsamen Sache. Es geht nicht um Rivalität, sondern um ein Miteinander und eine Bewegung hin zu etwas Neuem. Der Weg zum Ziel ist gleich wertvoll wie das Ziel selbst. Hier finden echte Begegnungen statt. Darin steckt das Potenzial des tiefreichenden und wirklichen Wandels.

Wenn sich auf dieser Basis ein Wettkampf zwischen Teams, Gruppen oder Abteilungen entwickelt, wird er keinen Schaden anrichten. Denn hier wächst er nicht aus Angst, sondern auf einem gemeinsamen Boden, auf dem die existentiellen Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt sind: Sicherheit, Beziehung, Einzigartigkeit und Kontext. Diese Haltung entspricht auch den Prinzipien der Organisationsentwicklung, die auf Selbsterneuerung, Selbstorganisation, Effektivität, Humanisierung und Authentizität ausgerichtet sind. Im Zentrum steht der Mensch mit seinem Streben nach einem wert- und sinnvollen Leben, das er auch in der Veränderung finden kann, wenn sie in der Organisation gemeinsam getragen und gestaltet wird.