wissen, was bewegt

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In unserem Blog findest du Artikel zu Themen, die uns, Kund*innen oder Kolleg*innen in der Arbeit mit Menschen und Organisationen beschäftigen.

Wir sammeln Berichte aus Seminaren und Lernwegen, erzählen von unseren Aktivitäten im MCV-Spirit, MCV Cinema oder von unseren Explore-Workshops.

Auch Gastautoren, deren Denken und Handeln uns anspricht, wollen wir zu Wort kommen lassen.

Wichtig ist uns, dass die Berichte wertvoll sind. Deine Aufmerksamkeit und deine Zeit sind kostbar!

Was bewegt uns als Führungskräfte und wofür setzen wir uns ein?

Führungskräfte hadern mit der knappen Zeit, die ihnen im Alltag für das Führen der Menschen zur Verfügung steht. Immer wieder taucht die Frage auf: Können wir existenziell führen, wenn uns keine Zeit zum Führen bleibt?

Von Beginn an ist der Raum gestimmt: die Teilnehmenden begegnen einander zugewandt und herzlich. Alle freuen sich auf die kleine Auszeit, in der sie sich dem vertieften Nachdenken und Erforschen der existenziellen Haltung als Führungskraft widmen können. Die Menschen fühlen sich konkret angesprochen von den Themen, Methoden und der Möglichkeit für eine intensive Auseinandersetzung mit ihrem Alltag als Führungskräfte, Manager*innen und Berater*innen.

Im dritten Modul des Lernwegs „Existenziell führen“ geht es um die Unterscheidung von Person, Persönlichkeit und Persönlichkeitstypologie sowie um die personale Gesprächsführung. Zum Einstieg üben wir das phänomenologische Erfassen. Inhalt und Gegenstand für die Übung sind die individuellen Erzählungen aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmenden. In diesem vertieften Wahrnehmen geht es um eine Tiefenschau für das Bedeutsame, das Wesentliche, das sich als Eindruck zeigt. Um diesen Eindruck fassen zu können braucht es eine Haltung der Offenheit und die Bereitschaft, sich berühren zu lassen, vom Gesagten und der „Person“, der es um etwas geht.

Was ist „Person“?

Wodurch zeigt sich „Person“, fragen die Teilnehmenden? Die Person in uns strebt lebenslang nach dem Vollzug des „Eigenseins“. Sie macht den Menschen einzigartig und unverwechselbar.

Person zeigt sich:

  1. wie sie von etwas bewegt ist: Die Welt hinterlässt eine emotionale Spur in uns: ratlos, beschwingt, rastlos, traurig etc.
  2. durch ihr Position beziehen: in Haltungen, Überzeugungen, Bedeutungen, Werte, Priorisierung, Entscheidungen etc.
  3. wie sie sich für etwas einsetzt und wie sie etwas umsetzt durch ihr Handeln.

Die Teilnehmer*innen sind schon deutlich geübter im Erfassen des Eindruckes. Christoph Kolbe weist auf Interpretationen oder Deutungen hin. Besonders hilfreich ist das bewusste Wahrnehmen von eigenen Gefühlen währenddessen. Gefühle haben immer einen Grund, sie beziehen sich immer auf etwas, das in uns angesprochen wird. Wichtig dabei ist, dass wir Gefühle differenzieren: was bezieht sich auf das Gegenüber, was auf uns selbst.

Es ist eine faszinierende Erfahrung für alle Beteiligten, wenn die Augen des Erzählenden leuchten, weil wir den wesentlichen Eindruck mit wenigen, aber „richtigen“ Worten ausdrücken können. Er fühlt sich in der Tiefe erkannt und gesehen.

Zeit als knappe Ressource

Die Führungskräfte hadern mit der knappen Zeit, die ihnen im Alltag für das Führen der Menschen zur Verfügung steht. Immer wieder taucht diese Frage auf: Können wir in dieser Haltung existenziell führen, wenn uns keine Zeit zum Führen bleibt? Zeit, in der sie in Gesprächen das wahrnehmen können, worauf es ankommt.

Die Antwort ist einfach. Je besser wir phänomenologisch wahrnehmen, umso effektiver werden wir in Gesprächen. Umso weniger Zeit verbrauchen wir in quantitativer Hinsicht für Unwesentliches und Überflüssiges. Wir werden präziser, konkreter und klarer in unseren Stellungnahmen und in unserem Handeln.

Personale Gesprächsführung

Christoph Kolbe entwickelte eine sechsstufige Methode der personalen Gesprächsführung, die sich zum systematischen Vorgehen in dialogischen Gesprächen eignet. Die Teilnehmenden sind verblüfft von deren Wirkung und ernüchtert, weil kaum eines ihrer Gespräche im Alltag so verläuft. Führungskräfte und Berater*innen sind gewohnt, lösungsorientiert zuzuhören. Dadurch übernehmen sie automatisch Verantwortung für die Lösungsfindung und eine zusätzliche Aufgabe, die eigentlich keine Führungsaufgabe ist.

Weil kein Meister vom Himmel gefallen ist, braucht das Üben der Methode die Entschlossenheit der Teilnehmenden, Erfahrungen damit sammeln zu wollen. Beim nächsten Modul werden wir uns wieder den Erfahrungen widmen, um zu hören und phänomenologisch erfassen, was dabei wesentlich und relevant ist.

Persönlichkeitstypologie

Den letzten inhaltlichen Block widmete Christoph Kolbe der Persönlichkeitstypologie. Zunächst widmen wir uns dem Begriff der „Persönlichkeit“. Persönlichkeit im psychologischen Sinn ist das Beschreiben eines Menschen anhand von Merkmalen. Diese Merkmale werden in verschiedenen psychologischen Testverfahren erhoben. Einige davon werden in Führungsentwicklungen angewendet. Die Führungskräfte erkennen dann sich und ihre Mitarbeitenden in den Farben blau, rot, gelb oder grün.

Persönlichkeit im existenziellen Sinn ist ein Mensch, der sich den Herausforderungen des Lebens stellt und individuelle, personale Antworten findet und danach handelt.

Die Persönlichkeitstypologie, die sich aus Haltungen und Handeln einer bestimmten Bedürfnisstruktur (Sicherheit, Beziehung, Eigensein) zeigt, unterstützt uns darin, dass wir die Not hinter Schwächen und Verhaltensmustern bzw. die Stärken, die daraus erwachsen, erkennen können. Das Erkennen führt uns zu einem besseren Umgang in der Führung von Menschen, gerade auch von jenen, die in starken Abwehrhaltungen oder sogar Pathologien gefangen sind.