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WHY – oder wie entsteht Motivation?

Führungskräfte eines kleinen Unternehmens beklagen die Rahmenbedingungen und die strukturellen Schwachstellen ihres Unternehmens.

Führungskräfte eines kleinen Unternehmens sind im Gespräch. Sie beklagen die Rahmenbedingungen und beschreiben detailliert die strukturellen Schwachstellen ihres Unternehmens. Sie erzählen von besseren Gehältern in Konkurrenzunternehmen bei ähnlich herausfordernden Marktsituationen und äußern Befürchtungen.

Ich höre aufmerksam zu und bin zunehmend betroffen. Die Aussichten auf Verbesserung scheinen nicht vielversprechend zu sein. Weshalb arbeiten die Führungskräfte in diesem Unternehmen? Weshalb bleiben sie hier und gehen nicht in eines der anderen, die besser bezahlen? Ich stelle die Frage, in der meine Betroffenheit hörbar ist: „Warum arbeitet ihr noch in diesem Unternehmen?“ 

Einen kurzen Moment lang ist es vollkommen still. Dann kommen klare Aussagen von den Führungskräften. Einer nach dem anderen bezieht Stellung. Sie erzählen in kurzen, prägnanten Sätzen weshalb sie in diesem Unternehmen einen Teil ihrer Lebenszeit verbringen: „Ich möchte für kein anderes Unternehmen arbeiten. Die Einstellung unseres Chefs uns gegenüber, ist unvergleichlich.“ „Ich mag die Menschen hier, meinen Chef, die Atmosphäre, die Stimmung.“ „Ich habe andere Betriebe erlebt. In keinem hatten Menschen diesen Stellenwert wie hier.“ „Dem Inhaber geht es wirklich um das Wesentliche. Das habe ich noch nie so deutlich gespürt wie hier.“ „Ich kann hier das Richtige lernen. Deshalb bleibe ich auf jeden Fall.“ „Weil in uns investiert wird und alle in dieselbe Richtung wollen.“

Die Aussagen glichen einander und waren dennoch unterschiedlich. In jeder Aussage waren die persönliche innere Überzeugung und Entschlossenheit spürbar. Der Blick der Führungskräfte war konkret in die Runde und auf mich gerichtet. Ich erlebte die Kraft des Wollens, die Kraft des individuellen JA, die Kraft der inneren Beweggründe. An dieser Stelle wünschte ich mir, dass alle Mitarbeitenden und die Inhaber des Unternehmens diese Stellungnahmen hören könnten.

Gemeinsam reflektierten wir die Bedeutung ihrer Aussagen. Die Führungskräfte verstanden nun das „WHY“ von Simon Sinek, das wir in einem Workshop im Rahmen der Führungsentwicklung kennen gelernt und besprochen hatten. Sie spürten die Kraft ihrer eigenen Entschlossenheit und die Kraft der Einigkeit. Sie erlebten die Stärke des individuellen Wollens und die Tatkraft, die daraus erwächst. Sie erlebten Motivation.

Gabriele Walch begleitete die Führungsentwicklung der Geschäftsführung und Abteilungsleitenden im Rahmen eines OE-Prozesses. Ausgehend von Führungsprinzipien wurde das Verständnis für Leadership weiterentwickelt, eine dialogische Gesprächskultur eingeführt, neue Kompetenzen eingeübt und Strukturen für den Austausch, Feedback und Vernetzung eingerichtet.

Gemeinsam entwickelten sie eine neue Führungskultur. Die Kooperation und Kundenzufriedenheit verändern sich seither spürbar positiv. Die Gewinnung von neuen Mitarbeitenden ist aufgrund der Klarheit und Bewusstheit der Geschäftsleitung zielgerichteter.

Im Rahmen der zwei Jahre dauernden Führungsentwicklung entwickelten sich die Führungskräfte dieses Unternehmens zu Menschen mit echten Leadership-Kompetenzen. Sie lernten die Bedeutung der eigenen inneren Haltung kennen, die sich täglich als Verhalten zeigt. Sie bemühen sich um die dialogische Begegnung mit Mitarbeitenden und miteinander. Meinungsverschiedenheiten und beginnende Konflikte besprechen sie dort, wo sie entstanden sind.

Die Eigentümer entwickeln mit ihren Führungskräften seither die Kultur der gemeinsam getragenen Verantwortung weiter. Jeder und jede übernimmt sie bewusst im eigenen Wirkungsbereich, miteinander für „ihr“ Unternehmen. Höhen und Tiefen werden gemeinsam reflektiert, nach Lösungen miteinander gesucht. Die äußeren Rahmenbedingungen sind herausfordernd geblieben. Für die inneren Rahmenbedingungen übernehmen sie jedoch zunehmend Verantwortung und die Gestaltungshoheit.

Gabriele Walch