wissen, was bewegt
22. Januar 2019

Wo macht der Mensch den Unterschied?

Die TeilnehmerInnen einer Führungsausbildung treffen sich beim Startmodul. Die meisten kennen einander nicht. Alle freuen sich auf die Weiterbildung. Der Lehrgangsleiter und ich haben uns viel vorgenommen für dieses erste Modul: Die Gruppe soll sich konstituieren, die Menschen miteinander vertraut werden.

Die ersten Gespräche in den Kleingruppen sind schon spürbar dicht. Die Teilnehmenden unterhalten sich zu ihren persönlichen Führungserfahrungen: Welche persönlichen Führungserfahrungen haben mich und meine Führung geprägt? Welche Führungspersönlichkeit hat mich am meisten beeindruckt? Was macht für mich gute Führung aus? Die Teilnehmenden denken konzentriert nach und hören einander aufmerksam zu. Trotz der fortgeschrittenen Tageszeit zeigen sich keine Ermüdungserscheinungen. Im Plenum erzählen die Teilnehmenden vom Fließen der Zeit und von offenen, vertrauensvollen Gesprächen. Sie wirken angeregt und inspiriert.

An den nächsten beiden Kurstagen zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Teilnehmenden sitzen aufmerksam in kleinen Gruppen zusammen oder wandern zu zweit, vertieft in die Gespräche. Sie scheinen Raum und Zeit zu vergessen und sind dennoch pünktlich zurück im Plenum.

Am Ende des ersten Moduls reflektieren die Teilnehmenden ihre Erfahrungen. Sie sind erstaunt über die Tiefe der Begegnungen, die Offenheit der Gespräche und das entstandene Vertrauen. „Ich habe noch mit niemandem in dieser Tiefe über mich und meine beruflichen Erfahrungen gesprochen“, erzählt eine junge Dozentin. „Ich habe viel Bestätigung zu mir und meiner Einstellung als Führungsverantwortlicher erhalten“, berichtet ein erfahrener Dozent. Eine Wissenschaftlerin teilt erfreut ihre wesentlichen Erkenntnisse zu einer besseren Führung im Plenum.

Alle sind sich einig. Es wird vielleicht niemals eine künstliche Intelligenz geben, die das kann was Menschen können: situativ wahrnehmen, vernünftig denken, individuell fühlen, empathisch und offen sein, Bedeutungen erkunden, Erkenntnisse vernetzen, weiterdenken und kombinieren.

Die Software-EntwicklerInnen und ExpertInnen des „Internet of things“ in der Gruppe kennen den Unterschied zwischen programmierten Maschinen und intelligenten Menschen: Es ist die Innovationskraft des kreativen Denkens der Menschen, aus denen sich neue Lösungen für komplexe Fragestellungen entwickeln.

Der Lehrgangsleiter und ich waren beeindruckt über diese Klarheit. Wir freuten uns, weil die ExpertInnen aus der digitalen Welt unseren Ansatz bestätigten: Gute Rahmenbedingungen, ein durchdachtes methodisches Herangehen und eine persönlichkeitsfördernde Führung ermöglichen den vertrauensvollen Austausch von Menschen, die einander (noch) gar nicht kennen. Auf dieser Basis wachsen echte Kooperation, natürliche Kreativität und eine Unternehmenskultur, die der Transformation gewachsen sein wird.

Gabriele Walch